Reflexion zum Symposium 2014

»Offene Raume und unsichtbare Mauern«

Reflexion zum 14. Kunstsymposium
des eu-art-network

Text von Dr. Eva Kekou

Der Fall der Berliner Mauer bedeutete zweifellos eine neue Ära für Europa. Doch was, wenn man die Zeit vor deren Errichtung betrachtet? Wie wirkt sich die tatsachliche Mauer auch noch heute auf die nationale und politische Identität in Europa aus? Welche Situation finden wir eigentlich heutzutage vor, wenn sich kleine Mauern und Hindernisse manchmal sichtbar, manchmal unsichtbar bemerkbar machen?

Künstler/innen aus Osteuropa sind zum zweiten Teil des Symposiums unter dem Titel »Offene Raume und unsichtbare Mauern« in das Burgenland nach Oslip gekommen. Ein Ort, der sowohl geografisch als auch historisch, als Brückenschlag zwischen Ost- und Westeuropa diente. Nahezu ein idealer Ort, um die historische Entwicklung nach dem Durchtrennen des Eisernen Vorhanges und dem Fall der Berliner Mauer aus der Erzählperspektive des kollektiven gesellschaftlichen Lebens, künstlerisch und kreativ durch verschiedene Perspektiven, nachzuzeichnen.

Die Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg in Ost- und Westblock bewirkte das Wiederaufflammen der Nationalstaaten und die Zersplitterung von Staaten in subnationale Identitäten. Die Mauer hat eine Reihe von unterschiedlichen Entwicklungen auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene mit sich gebracht und wies auf die ethnische Frage der Minderheiten hin. Somit war der Fall der Mauer die Offenlegung widersprüchlicher Rechte und damit verbundener Anspruche, die zu neuen Spannungen führten. Mauern funktionieren, ob sichtbar oder unsichtbar, als pragmatische Grenzen, die uns in ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit und Territorialität einschließen.

Philosophisch und semantisch betrachtet sind es eine Anzahl von Mauern, die nicht offensichtlich, aber gleichzeitig vorhanden sind. Innere Regeln und Gesetze koinzidieren oder kollidieren mit Gesetzmäßigkeiten diverser Gruppierungen und Systemen, die ebenso ihre eigenen Mauern des Widerstandes und der Abgrenzung hochziehen. All diese Phänomene finden ihre Ausprägungen in der Cselley Mühle Oslip. Ein Ort, der sowohl metaphorisch als auch historisch betrachtet eine Vergangenheit intensiver Spannungen und Konflikte kennzeichnet.

Die »Mühle« per se hat ihren eigenen Charakter, ihre eigenen Regeln sowie ihre eigene existenzielle Ausrichtung das ganze Jahr über. Gerade auf diesem Platz treffen verschiedene Künstler/innen und Persönlichkeiten aus Osteuropa zusammen, die ihre ureigenen künstlerischen Intensionen und Hintergrunde mitbringen. In der Gastfreundschaft und der Offenheit des Ortes, die alle Teilnehmer/innen zu schätzen wussten, war es möglich, inspirative Kraft fließen zu lassen, gegenseitigen Austausch zu pflegen und so ein exemplarisches Beispiel zu statuieren, grundsätzlich existente Mauern durchlässig und ineffizient zu machen. Die eingesetzten vielfaltigen Medien wie Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation, Tanz und Musik kann man als eine Metapher für die Vielseitigkeit der Thematik und deren Hermeneutik verstehen.

Die Kunstwerke weisen, durch Impulse von Emotionen Spannung auf, die durch abstrakte Malerei, durch realistisch dargestellte Abbildungen und Fotos, aber auch durch Einsatz von kraftvoller Symbolik, geschaffen worden sind. Durch das Primat der visuellen Kunst funktioniert die Musik als Kontrapunkt in einem Wirkungsbereich, der durch Kontraste und Widerspruche gekennzeichnet ist. Sie verweist sowohl auf den vergänglichen Charakter als auch auf die bestehende Dramatik.

DR. EVA KEKOU (GR)
KUNSTHISTORIKERIN
Autorin Dr. Eva Kekou: Reflexion zum 14. Kunstsymposium