20. KÜNSTLERSYMPOSIUM 2020

»des eu-art-network findet vom 26. August bis 4. September 2020
in der Cselley Mühle in Oslip statt. 

(EN) here»

TEILNEHMER/INNEN 2020 
Programm / Presse

Die Initiative für zeitgenössische Kunst eu-art-network (EAN) gestaltet seit 2000 jährlich Symposien mit internationaler Beteiligung von Künstler*innen in den verschiedensten Sparten der zeitgenössischen Kunst.

Bildende Kunst in allen ihren Variationen, Musik, Performance und Literatur sind die Ausdrucksmittel der TeilnehmerInnen, um jenen Themen, die jeweils im Mittelpunkt eines Symposiums stehen, Ausdruck zu verleihen.

Es handelt sich dabei immer um Themen, die Europa bezogen sind und die Menschen in Europa und darüber hinaus berühren.

Titel des diesjährigen Symposiums:

»ich …WIR… & …die anderen…«

oder der Nationalismus als eine
weltumspannende Engstirnigkeit

»Ich bin nicht, was ich bin… « war der Titel des Kunstsymposiums 2019 und beschäftigte die teilnehmenden Künstler und Künstlerinnen mit der daraus resultierenden Frage: »…was bin ich dann…?«  und führt unweigerlich zu der weiteren Frage: »Wer sind WIR eigentlich…?«.

Die Beschäftigung mit Identität und daraus folgend mit dem Nationalismus in der Gesellschaft, wäre ursprünglich das Kernthema unseres Symposiums gewesen. Jedoch eroberte ein Virus weltweit die Schlagzeilen und relativierte bis zum heutigen Tag alle uns vertrauten Probleme.

Entsprechend dieser tiefgreifenden Ereignisse haben wir uns entschlossen, den Fokus in unserem Symposium auf ein komplexeres Themenfeld auszudehnen. Dabei bleibt das Thema Nationalismus nicht aus, gewinnt es doch gerade in dieser krisengeplagten Zeit durchwegs an Bedeutung. Nationale Geschlossenheit wird zum neuen Credo erhoben und der Vergleich von Statistiken über Erkrankte und Tote zum politischen Profilierungskampf.

»Shutdown« heißt das Zauberwort, das uns täglich begleitet, und uns staunen lässt, wozu Politik imstande ist. Plötzlich ist man mit Verordnungen und drastischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Maßnahmen konfrontiert, die niemand für möglich gehalten hätte. Anfänglich verbreitete Angst und Schrecken führte in einer ersten Phase des Verständnisses zu Hoffnungsschimmer, aber zunehmend auch zu Zweifel. Die Hoffnung, basierend auf dem Prinzip, dass Krise als Chance gesehen werden könne, weiß scheinbar die Politik für sich zu nützen und die Zweifel, dass Verordnungen und Maßnahmen, subtil platziert, auch anhalten könnten, verbleiben in der Gesellschaft.

Die Frage scheint berechtigt, ob die Welt nicht gerade eine Lektion in Sachen Abschaffung der Grundrechte und Demokratie erlebt, wenn offene, divergierende Meinungen vermieden werden und uns in einem medialen Gleichklang erklärt wird, was gerade der Stand der Wahrheit ist, wo selbst Experten nicht einmal gleicher Meinung sind.

In offenen, liberalen Gesellschaften nimmt der Diskurs einen breiten Raum ein, aber in sogenannten »postfaktischen« Gesellschaften dominieren sichtlich »fake news«. Begriffe wie Liberalismus oder Offenheit werden in ihrer Bedeutung relativiert. Nationalismen als Relikt eines ur-instinktiven Gefühls, dominiert von Leidenschaft und Vorurteilen, breiten sich aus und münden bestenfalls in ein konservatives, wenn nicht sogar in ein restriktives Gesellschaftskonstrukt.

Es waren immer wieder aufkeimende Nationalismen, die in Kriege, Zerstörung, Vernichtung und Vertreibungen mündeten und umgekehrt, dass Krisen und Katastrophen ein nationalistisches Gedankengut förderten.

In diesem Zusammenhang ist es interessant der Frage nachzugehen, ob Nationalismus nur der Versuch ist, vor der Zukunft in die Vergangenheit zu fliehen, wie es Manfred Rommel ausdrückt oder wie Ernst Ferstl zitiert: »… eine weltumspannende Engstirnigkeit« …wenn nicht sogar,  gepaart mit der Krise, ein Testlauf für einen bevorstehenden Autoritarismus…?!

Mit freundlicher Unterstützung von: